Patreon

Patreon: Portal für Kreative

Patreon ist eine Plattform, mit der Künstler Crowdfunding betreiben können. Das ist in Zeiten von Corona noch wichtiger, als es schon immer war. Über Patreon können Kreative direkte Beziehungen zu ihren treuen Fans aufbauen. Diese werden ihren präferierten Artisten gleich welchen Genres mit einem kleinen Monatsbeitrag unterstützen, wofür sie freilich Benefits erwarten: neue Werke, exklusive Inhalte, Interaktion mit der Community und auch Einblicke in den kreativen Prozess „ihres“ Stars.

 

Crowdfunding: Idee hinter Patreon

Es ist durchaus sinnvoll für Kreative, von ihrer Fangemeinde online Kleinbeträge einzusammeln, also auf die Spendenbereitschaft eines Schwarms von Anhängern zu setzen. Das Prinzip des Crowdfundings hat sich inzwischen an allen erdenklichen Stellen bewährt und ersetzt derzeit (Stand: Anfang 2021) die Eintrittskarte, die ja mangels Auftrittsmöglichkeiten durch Corona niemand mehr kaufen kann – selbst wenn er es sehr gerne möchte.
Doch Patreon ist noch mehr. Die Plattform will auch Qualität fördern und damit wirklich gute Künstler (Kreative aller Art, auch Gamedesigner) etwas unabhängiger von den Algorithmen der großen Portale wie YouTube & Co. machen, bei denen es nur um Quantität geht: Wer hat die meisten Klicks und Likes? Diese Videos spielt YouTube nach vorn, was die Manipulation fördert. Klicks, Likes, Kommentare und selbst Abonnenten lassen sich nämlich kaufen, was einen vollkommen verzerrten Eindruck erzeugt.

Patreon will daher wieder zu den Wurzeln zurück: Schon immer haben Kreative mit Beharrlichkeit eine Fanbase geschaffen, die sie dann sukzessive weitertrug. Mit dieser Basis muss es auch ehrliche Interaktionen geben, die sogar Kritik zulassen. Nur dadurch gibt es kreative und künstlerische Weiterentwicklung. Patreon setzt im Gegensatz zu rein verkaufsorientierten Algorithmen auf Qualität, Einzigartigkeit und Interaktion in der Community. Die Plattform will wieder die Menschen und ihre Anhänger in den Mittelpunkt stellen, die tatsächlich kreativ sind.

 

Was bringt Patreon den Kreativen?

Auf jeden Fall ist über diese Plattform eine direkte Kommunikation mit den Fans ohne Werbung und erst recht ohne Trolle möglich. Es entsteht eine ehrliche, bedeutsame und auch herzliche Interaktion. Wer eine künstlerische Idee hat, kann sie hier veröffentlichen, ohne auf den Mainstream und auf werbebasierte Finanzierungsmodelle schielen zu müssen. Damit lässt sich sogar ein zuverlässiges Einkommen erzielen. Von dem Modell sind mit Stand Januar 2021 rund 200.000 Gruppen und Einzelkünstler überzeugt, darunter:

Patreon

 

  • Einstürzende Neubauten
  • RedHanded
  • Berlin Food Stories
  • M.I.A
  • Beardyman
  • Loish
  • Lioba Brueckner
  • Jim’ll Paint It

 

Das Team von Patreon unterstützt die Einrichtung einer eigenen Seite. Diese bietet viele Möglichkeiten, um mit Fans zu interagieren und sie zu begeistern. Dazu gehören öffentliche Shoutouts, Kontakte in Social Networks oder der eigene Künstlername in den Credits, welche die Fans erwerben. Auch Umfragen und natürlich Livestreams und Gruppenchats lassen sich starten. Das sind nur einige der Möglichkeiten auf Patreon. Insgesamt ist die Plattform ein Zuhause für kreative, mitgliedschaftsbasierte Geschäftsmodelle. Die Kreativen können sich für eine mehreren möglichen Formen der Mitgliedschaft entscheiden, die jeweils unterschiedliche Tools bieten und mit einer verschieden hohen Provision an die Plattform verbunden sind:

 

  • PATREON LITE bietet grundlegende Funktionen, darunter einige praktische Tools für die regelmäßige Unterstützung durch die Fans und die Verwaltung der eigenen Patreon-Mitgliedschaft. Auch eine gehostete Creator-Seite gehört dazu, die es ermöglicht, die Fans zu motivieren, damit sie ein Patron werden. Über diese Seite kann der Künstler Inhalte nur für die eigenen Fans veröffentlichen. Die Kommunikation kann per E-Mail, mit Posts auf der eigenen Seite und mit Direktnachrichten an die Fans stattfinden. Patreon bietet Workshops an, die zur Einrichtung so eines Accounts beraten. Auch Business-Tools für die Verfolgung von Zahlungen sind enthalten. Auszahlungen auf das eigene Konto kann jeder Kreative selbst veranlassen. Der Support unterstützt auch den LITE-Account vollumfänglich, ebenso sind in diesem Angebot schon die Weiterbildung für Kreative und die Mobile App enthalten. Bei PATREON LITE gibt der Kreative 5 % seiner Einkünfte an die Plattform ab.
  • PATREON PRO bietet zusätzlich unbegrenzten Mitgliedschafts-Level an. Diese Mitgliedschaftsstufen sind mit unterschiedlichen Gebühren und Benefits verbunden und lassen sich so optimieren, dass einzelne Patrons je nach Bedarf und Zahlungsbereitschaft mehr oder weniger von ihrem Kreativen haben. Hinzu kommen außerdem ein Promotion-Tool für Special Offers an neue Patrons sowie Analysen und Insights. Für PATREON PRO gibt der Kreative 8 % der generierten Einnahmen an Patreon ab.
  • PATREON PREMIUM eignet sich für bereits etablierte Kreativunternehmen und bietet über die Pro-Version hinaus noch mehr Möglichkeiten, Einfluss und Zugang. Die Kreativen erhalten einen eigenen Partner Manager, einen Rundumservice über die hauseigene Merch-Lösung und eine Teamkontenfunktion. Der Support unterstützt den Kreativen noch umfangreicher mit Live-Events, Vorträgen, Performances, PR und Beiträgen in sozialen Medien. Für PATREON PREMIUM gibt der Kreative 12 % seines Umsatzes an die Plattform ab.

 

Für die Zahlungsabwicklung erhebt Patreon zusätzlich eine kleine Gebühr.

 

Ist Patreon die richtige Antwort auf Corona?

Auf jeden Fall, aber nicht nur. Die Idee zu dieser Webseite ist schon wesentlich älter und war eigentlich eine Antwort auf die Benachteiligung von Kreativen auf YouTube. Im Jahr 2013 musste der Musiker Jack Conte feststellen, dass er zwar auf YouTube Millionen von Views und viele Tausend Likes hatte, aber kaum etwas davon auf seinem Bankkonto sah. Daher entwickelte die Website Patreon, damit ihn seine Fans direkt unterstützen können. Er fand in Sam Yam einen technisch versierten Partner, zusammen bauten sie Patreon auf und aus. Die US-Plattform versammelt inzwischen neben ihren Kreativen auch über sechs Millionen Patrons aus der ganzen Welt und konnte bislang rund zwei Milliarden US-Dollar umsetzen.
Damit trifft nun eine etablierte Website auf eine neue Herausforderung für die gesamte Menschheit und in sehr starkem Maße für die Kreativwirtschaft und das Musikbusiness: Die Corona-Pandemie macht es derzeit unmöglich, mit Live-Auftritten Geld zu verdienen. YouTube ist keine Alternative, das bestätigen fast alle ernsthaften Musiker und die Kreativen anderer Genres: Hier tummeln sich einfach zu viele Anbieter. Damit sind auch die YouTube-Algorithmen überfordert.

So ist es möglich, dass bestimmte Videos nach einiger Zeit selbst bei korrekter Eingabe der Meta-Angaben schlicht und erschütternd nicht mehr zu finden sind, weil ihnen ein interner Algorithmus einen Platz vielleicht hinter dem 1.000 Rang zuweist, wo niemand mehr sucht. YouTube ist wahrscheinlich ein Opfer des eigenen Erfolges geworden. Die Fülle der dort vorhandenen Videos ist unfassbar: Jede Minute kommen 400 Stunden an Material hinzu. Um Newcomern eine Chance zu geben, präsentiert YouTube neue Videos für einige Minuten bis Stunden auf der Startseite. Dann misst ein Algorithmus, wie viele Nutzer darauf zugreifen und wie lange sie sich dieses Video (gemessen an seiner Gesamtdauer) anschauen.

Von diesem ersten Eindruck hängt der weitere Verbleib des Clips ab: Er könnte künftig verstärkt Interessenten am betreffenden Thema eingespielt werden, er könnte aber auch sang- und klanglos untergehen. Damit haben Kreative mit besonderen Ideen, die erst einmal verstanden sein wollen, auf YouTube praktisch keine Chance mehr. Es dominieren dort zum Teil hirnrissige Videos mit simpelsten Inhalten, die auch noch auf simpelste Weise präsentiert werden (Unboxing von Spielzeug, ein tolles Geschäftsmodell!).

Wenn die Anbieter zusätzlich Werbung schalten, pushen sie ihr Video mit gekauften Likes, Views, Subscribern und Comments oder (deutlich teurer, aber sicherer) mit Video-Seeding, bei dem echte Influencer und Blogger das Video promoten. Dagegen haben ernsthafte künstlerische Ideen keine Chance mehr. Die betreffenden Kreativen konnten allerdings bislang live und regional Geld verdienen und eine Fangemeinde aufbauen. Das geht nun wegen der Corona-Lage nicht mehr. Wann sich daran etwas ändert, wissen wir nicht. Daher schlägt nun die Stunde von Crowdfunding auf Plattformen wie #Patreon: Gott sei Dank!

 

16 Kommentare
  1. Ute
    Ute sagte:

    Deinen Bericht fand ich ganz interessant aber ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mir die Erfahrungen fehlen. Allerdings durch Corona haben sich viele neue Ideen etablieren können. Danke für die Infos.
    Lg Ute reist

    Antworten
  2. Miriam
    Miriam sagte:

    Lieber Igor,
    Mit Crowdfunding habe ich mich beruflich schon öfter mal beschäftigt, aber Patreon sagte mir bisher noch nichts. Finde ich cool, dass die Plattform sich speziell an Künstler richtet. Gerade in der Corona-Zeit ist das ja besonders relevant – da zählt jeder Cent.
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap

    Antworten
  3. Steffi
    Steffi sagte:

    Huhu,

    von Patreon habe ich schon viel gehört. Viele Autoren sind dort vertreten und man erhält darüber dann exklusive Infos etc.

    Ich glaube sowas wird auch immer moderner.

    LG
    Steffi

    Antworten
  4. Jana
    Jana sagte:

    Ich habe schon häufiger mal gesehen, dass Künstler nach Patreon-Unterstützung gefragt haben, was ich wirklich eine gute Sache finde. Gerade jetzt in diesen schwierigen Zeiten eine wichtige Plattform!

    Liebe Grüße
    Jana

    Antworten
  5. Renate
    Renate sagte:

    Ich kenne zwar Crowdfunding, aber dieses Portal war ganz neu für mich. Sehr gute Sache, dass es speziell für Künstler ist. Die sind ja in diesen Zeiten wirklich ganz besonders gebeutelt. Ich werde mich dort mal umschauen und freue mich darauf, neue spannende Künstler zu entdecken. Mir fehlt die Kunst sehr momentan, vor allem Kino und Ausstellungen. Deshalb ist so ein Portal nicht nur für die Künstler super, sondern eigentlich für alle.
    LG Renate von Trippics

    Antworten
    • Igor
      Igor sagte:

      Das #Patreon Portal ist umfangreich und nicht nur auf Künstler fixiert. Auch Journalisten (Fotojournalisten oder Contentjournalisten) können sich dort ein Konto einrichten.

      Igor

      Antworten
  6. cookingCatrin
    cookingCatrin sagte:

    Kannte ich garnicht, finde ich aber super dass es auch für diese Branche eine Plattform für Austausch, Kontakte und Co gibt. So wie du sagst, gerade in Zeiten wie diesen extrem wichtig. Nicht nur weil auf Künstler & Co leider sowieso so wenig Rücksicht genommen wird!

    Liebe Grüße,
    Team cookingCatrin
    http://www.cookingcatrin.at

    Antworten
  7. Blindfuchs
    Blindfuchs sagte:

    Als ich das erste mal von Patreon gehört hatte habe ich lange an unterschiedlichsten Stellen nachschauen müssen um alle Informationen über diesen Dienst herauszufinden.
    Das Prinzip von Patreon finde ich klasse und so unterstütze ich schon länger verschiedene Podcasts auf diesem Wege.
    Klasse das Du alle Infos so gut verständlich zusammengefasst hast!
    LG
    Stephan von Blindfuchs.de

    Antworten
  8. Anja
    Anja sagte:

    Lieber Igor,
    von Patreon hatte ich bislang noch nichts gehört, danke für die Info. Ich finde es gut, dass es sich besonders an Künstler wendet und ehrliche Kommunikation fördert und Bewertungsmaßstäbe fern von Klick- und Likezahlen hat.
    Herzlichen Gruß
    Anja von STADT LAND WELTentdecker

    Antworten
  9. Julia
    Julia sagte:

    Hallo,

    ich habe dazu nicht viel gehört und erfahren. Aber wir haben eine Zeit, in der sich alles geändert hat und das kann eine Lösung sein. Danke für die -information und dass näher bringen.

    Liebe Grüße
    Julia

    Antworten

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